Wieso trug man früher Perücken?

Wieso trug man früher Perücken?

Diese auffälligen weißen Perücken, die man in Historienfilmen immer sieht, trugen die Menschen früher tatsächlich auf dem Kopf. Dies taten sie mehr oder weniger freiwillig, denn mitunter sollten die Haarteile etwas Unangenehmes verstecken.

Wieso trug man früher Perücken?

 

Die Erfindung der Perücke reicht weit zurück. Schon im alten Ägypten und im antiken Griechenland griffen Männer und Frauen zur falschen Haarpracht. Im frühen Mittelalter verschwanden Perücken wieder etwas aus dem Sichtfeld, bis sie im 16. Jahrhundert, in der Zeit des Barock, ein Comeback feierten. Damals dienten die Perücken häufig dazu, krankheitsbedingten Haarausfall zu kaschieren, der recht häufig vorkam, da in der Medizin Quecksilber verwendet wurde. Hätte es zu jener Zeit schon Beipackzettel gegeben, wäre “Haarausfall” bei Quecksilbersalben- und säften als Nebenwirkung ganz oben aufgeführt worden. Noch vor vorzeitigem Tod.

Praktisch waren Perücken auch deshalb, da die Haarhygiene jener Zeit problematisch ausfiel. Es mangelte an fließendem Wasser und Pflegeprodukten. Viele Menschen gingen daher dazu über, sich die Haare abzurasieren und in der Öffentlichkeit nur noch Perücken zu tragen. So brauchte man sich um Läuse, Spliss oder Bad-Hair-Days keine Sorgen mehr zu machen.

Als der französische König Ludwig XIV. begann, Perücken zu tragen, da ihm die Haare ausfielen, entwickelte sich das künstliche, nun meist mit Mehl gepuderte Haarteil zunehmend zu einem Statussymbol, das anders als echte Haare immer gut saß, sauber war und stets die richtige Länge hatte. Einfache Arbeiter und Handwerker trugen üblicherweise keine Perücken. Aus heutiger Sicht wirken die Perücken der Barockzeit übertrieben, unnatürlich und recht unpraktisch. Sie kamen Ende des 18. Jahrhunderts aus der Mode.

Dieser Tage sieht man diese altmodischen Perücken noch an englischen Gerichtshöfen, um der Würde des Standes Ausdruck zu verleihen und zu mehr Anonymität beizutragen. So die Begründungen. Viele Anwälte und Richter empfinden die traditionellen Gerichtsperücken allerdings inzwischen nur noch als überholtes Relikt, das zudem noch bis zu 1000 Euro pro Stück kostet. Vielleicht sollte es ein Referendum geben …

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